Ski fahren in Klínovec: Warum ich immer wieder nach Tschechien fahre

Ski fahren in Klínovec: Warum ich immer wieder nach Tschechien fahre
🇨🇿 Tschechien | Wetter | ● Keine Warnung

Wenn ich an meine ersten Skiurlaube denke, muss ich schmunzeln. Mit 14 Jahren stand ich zum ersten Mal auf Skiern. Meine Eltern waren damals Mitte 30 und hatten sich einen kleinen Traum erfüllt.

Sie waren in der DDR aufgewachsen. In ihrer Jugend und ihren Zwanzigern war Reisen nur sehr eingeschränkt möglich. Wenn überhaupt, dann ging es mit Genehmigung in einige Ostblockstaaten. Als die Grenzen offen waren, wollten sie das nachholen, was sie so lange nicht konnten. Für sie gab es deshalb nur zwei Ziele: Österreich oder Italien.

Tschechien? Das kam überhaupt nicht infrage.

Für mich war das damals völlig normal. Skiurlaub bedeutete Berge, Hütten, Kaiserschmarrn und lange Tage auf der Piste. Ich habe diese Urlaube geliebt. Gut, auf die stundenlangen Autofahrten hätte ich verzichten können, aber spätestens am ersten Skitag war das vergessen.

Mit den Jahren änderte sich allerdings einiges. Die Preise in den Alpen stiegen immer weiter und gleichzeitig wurde es schwieriger, sich eine ganze Woche freizunehmen. Also begann ich nach Alternativen zu suchen

Mein erster Skiurlaub in Tschechien

2016 war es dann soweit. Zum ersten Mal ging es nach Klínovec, dem Keilberg. Das Skigebiet liegt direkt gegenüber vom Fichtelberg in Oberwiesenthal. Verrückt eigentlich, denn Oberwiesenthal kannte ich natürlich schon lange. Dass auf der tschechischen Seite direkt daneben ebenfalls ein Skigebiet liegt, wusste ich vorher überhaupt nicht.

Ich gebe zu: Meine Erwartungen waren eher niedrig.

Ich dachte, es wäre ein kleines Skigebiet für einen Tag, aber sicher kein Ersatz für Österreich.

Ich lag ziemlich daneben.

Aus einer Alternative wurde eine Tradition

Aus einem Urlaub wurden mehrere. Mittlerweile fahre ich fast jedes Jahr nach Klínovec.

In dieser Zeit hat sich dort unglaublich viel getan. Neue Liftanlagen wurden gebaut, Pisten erweitert und verschiedene Bereiche miteinander verbunden. Das Skigebiet ist heute deutlich moderner als noch vor einigen Jahren.

Natürlich ist Klínovec kein Ischgl, kein Sölden und kein St. Anton. Der höchste Punkt liegt auf 1.244 Metern und die Pistenkilometer können mit den großen Alpenregionen nicht mithalten.

Aber ganz ehrlich: Müssen sie das überhaupt?

Für ein langes Wochenende oder vier entspannte Skitage finde ich das Angebot völlig ausreichend. Vor allem hatte ich im Januar und Februar bisher immer gute Schneeverhältnisse.

Was mir besonders gefällt

Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle.

Unterkünfte sind oft günstiger, genauso wie Restaurants oder die Liftkarten. Gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist oder mehrere Tage fahren möchte, macht das schnell einen spürbaren Unterschied.

Was ich allerdings noch mehr mag, ist die Atmosphäre.

Klínovec (Infos zum Skigebiet) fühlt sich nicht so geschniegelt an wie viele große Skigebiete in den Alpen. Es ist alles etwas entspannter, etwas ursprünglicher und manchmal auch ein bisschen chaotisch.

Nach starkem Schneefall werden die Straßen nicht immer sofort komplett geräumt. Schneeketten gehören deshalb für mich inzwischen selbstverständlich ins Auto. Manche Orte wirken fast ein wenig verschlafen und genau das macht für mich den Reiz aus.

Man hat nicht das Gefühl, in einer perfekt durchgeplanten Tourismusmaschine unterwegs zu sein.

 

Gibt es auch Nachteile?

Natürlich.

An schönen Wochenenden oder in den Ferien können die Schlangen an den Liften ziemlich lang werden. Das nervt manchmal schon.

Wenn man die Möglichkeit hat, unter der Woche zu fahren oder morgens früh auf der Piste zu sein, lässt sich das aber meist gut umgehen.

Mein Fazit

Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich einmal lieber nach Tschechien als nach Österreich zum Skifahren fahre, hätte ich wahrscheinlich gelacht.

Heute sehe ich das anders.

Klínovec ist für mich vielleicht nicht das spektakulärste Skigebiet Europas. Aber es bietet genau das, was ich heute suche: gute Pisten, faire Preise, kurze Anreise und eine Atmosphäre, die sich noch nicht komplett nach Massentourismus anfühlt. Ein spektakuläres Skigebiet findet Ihr in Nendaz :).

Vielleicht ist es genau dieses kleine bisschen Abenteuer, das mich jedes Jahr wieder dorthin zurückzieht.

Jens

Die Welt ist mein zu Hause - hätte ich jedenfalls gern. Mein Lebensmittelpunkt ist in Berlin und das schon mein ganz Leben lang. Auf Reisen fühle mich am Ehesten zu Hause.

Jens

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