Kasachstan
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Auf den Spuren der Mongolen?

Wie bist du eigentlich auf Almaty und Kasachstan gekommen, das wurde ich nicht nur einmal gefragt.

Eigentlich wollten wir in den Iran, doch das ging nicht, da nicht alle meiner Kompagnons   “begeistert” davon waren, in den Iran zu fahren – aus verschiedenen Gründen – sage ich dann in der Regel als erstes.

Eine Reise nach Kasachstan

Auf der Suche nach einem geeigneten Reiseziel für einen ca. sechs Tage Ausflug half mir die Google Flight Search und Almaty (in Kasachstan) tauchte dort als ein gut zu erreichendes, bezahlbares Ziel auf. Von Berlin aus sollte es über Riga nach Almaty gehen – Dienstag Abend hin und Montag Vormittag zurück – je 8h Reisezeit – perfekt.

Aitmatov hat mir Kasachstan in seinem Buch “Ein Tag zieht den Jahrhundertweg” nahe gebracht und mir ein paar Bilder im Kopf hinterlassen – von „Entfernungen“ und „Sand-Landschaften“. Ich kannte Kasachstan auch von einem „Abenteurer“, der in über drei Jahren zu Pferd von Ulaanbaatar nach Budapest „gereist“ ist. Auf den Spuren der Nomaden und auf den Spuren von Genghis Khan durchreiste er Kasachstan – immerhin das 9. größte Land der Welt (Tim Cope).

Der Weltraumbahnhof in Baikonur war mir ein Begriff und die Möglichkeit einen Raketenstart live miterleben zu können, rückte in den Fokus. Leider ist das aktuell nicht so einfach möglich – zumindest noch nicht.

Von Almaty hatte ich vorher noch nie etwas gehört – die alte Hauptstadt von Kasachstan – am Fusse des Tien Schan Gebirges – nur ca. 50km Luftlinie von Kirgisistan entfernt. Google sagte mir, da gebe es viel zu sehen, zwei National Parks waren mit dem Auto gut zu erreichen und das Auswärtige Amt sagte – „Kasachstan kann man machen“.

Die ersten Tage: Almaty, Tien Schan Gebirge und Ile-Alatau National Park

In Almaty ankommen ist überaus beeindruckend. Almaty liegt am Fusse des Tien Schan Gebirges, wo sich die Gipfel auf bis zu 5.000m in die Höhe schrauben und das Stadtbild prägen. Almaty selbst liegt auf ca. 700m, doch das ebene Land rund um das Tien Schan Gebirge erweckt den Eindruck, als würde man von Null starten.

Wir sind die Nacht durchgeflogen, haben kaum geschlafen und sind über 5.000 km in einer Welt angekommen, die erst mal nicht wirklich anders war, sich aber irgendwie auch Vergleichen entzog.

Es war unglaublich sauber, geschäftig, heiß, trocken – die Menschen waren nicht unfreundlich, aber auch nicht so sehr an uns interessiert (was mir übrigens sehr gut gefallen hat). „Real-sozialistische Kunst“ prägte das Stadtbild genauso, wie arabische Architektur und moderne Glasfassaden und Hochhäuser.

Das alte Almaty wurde im 19. Jahrhundert fast vollständig von einem Erdbeben zerstört und die gesamte Stadt ist quasi in einem Schachbrettmuster aufgebaut – geradlinig konzipiert – nicht gewachsen, sondern „gebaut“ (Bzw. wurde Almaty mehrfach in den letzten 250 Jahren zerstört – Wikipedia zu Almaty).

Ich kann nicht sagen, ob der Schlafmangel verantwortlich war, aber ich kann nach wie vor nicht wirklich einordnen, was ich von Almaty halte – ich war und bin überwältigt von der Mischung aus Bekanntem und Anderem, anderseits hatte diese Stadt aber auch etwas künstliches / nicht echtes, ich würde nicht sagen unehrliches, sondern viel mehr vielleicht verborgenes oder von mir/uns nicht entdecktes.

Essen bestellen hat uns sehr schnell das offensichtlich „Andere“ gezeigt – in Kasachstan gibt es ein kyrillisches Alphabet – was schwierig ist, wenn man keine Russischkenntnisse mitbringt. Englische Karten gab es kaum und noch weniger Karten mit Bildern.

Gegessen haben wir dann trotzdem, aber es sollten ein paar Tage vergehen, bevor wir in Restaurants satt wurden, denn unsere Methode, zu viert immer ca. sechs Gerichte mittleren Preises zu bestellen, ging nicht immer auf – war aber spannend.

Fleisch und Pelmenis stehen in Kasachstan hoch im Kurs. Alkohol gibt es nicht in allen Restaurants, da über 70% der Bevölkerung Moslems sind. Geraucht wurde auch weit weniger, als wir uns das vorgestellt haben – warum auch immer wir uns das vorgestellt haben.

Am zweiten Tag ging es von Almaty aus in den nahegelegenen National Park Ile-Alatau (ca. 1.5h Auto Fahrt) zum Big Almaty Lake, gelegen auf 2.500m Höhe.

Eine Strasse führte den Berg hoch bis zum See und weiter nach Kirgisistan – was wir verifizieren wollten, verifiziert haben und mit einer gefühlt „10-Punkt Wendung“ auf einer entsprechend schmalen Strasse, quittiert bekamen. Immerhin sahen wir den Grenzposten zu Kirgisistan auf ca. 2.500m Höhe.

Den Big Almaty Lake selbst kann man sich als eine Touristen Attraktion vorstellen, zu dem durchaus viele „Städter“ Ausflüge unternehmen – was in unserem Fall ca. 5-6 weitere Autos bedeutete. Die Strasse zum See ist noch zu gewissen Teilen im Bau oder in der Rekonstruktion und am Fusse des Berges, bis zum Eingang des National Parks, gibt es bereits vereinzelte Hotel-Anlagen.

Medeo war unser nächstes Ziel mit dem höchst gelegensten Eisstadion der Welt (1.691m), wird zumindest von Wikipedia behauptet. Es wurde 1951 fertiggestellt und wenn man 842 Treppen des angrenzenden Staudamms hinaufläuft, hat man einen hervorragenden Blick auf einen Stausee bzw. eine „Stau-Becken-Landschaft“ zur einen Seite und das Eisstadion zur anderen.

Foto: Jan Fanslau

Die Steppe und die Leere: Altyn Emel National Park und die Weite

Die Freude war groß, als wir am dritten Tag Almaty verließen und Richtung „Steppe“ aufbrachen. Für uns war dann irgendwie alles Steppe, obwohl das natürlich ein Begriff für eine ganz spezifische Art der Vegetation ist und ich mir gar nicht mal sicher bin, ob wir wirklich in der Steppe waren.

Trotzdem verbanden wir Kasachstan einfach in unserer Vorstellung mit der Steppe – und den Mongolen. Ob wir die Steppe nun tatsächlich gesehen haben weiss ich nicht, und Mongolen leben schon seit geraumer Zeit nicht mehr in Kasachstan bzw. machen unter 1% des Bevölkerungsanteils aus.

Von Almaty dauert die Fahrt in den National Park ca. vier Stunden. Wir sind am Nachmittag angekommen, haben uns über das Visitor Center eine Unterkunft besorgen lassen, Eintritt gezahlt und eine (selbstgemalte) Karte übergeben bekommen. Wir einigten uns auf die „singenden Dünen“ im Osten und die „farbigen Berge im Westen“.  Also preschten wir erst einmal zu den singenden Dünen los – in unsere Steppe.

Wenn man selbstgemalte Karten lesen kann oder vielleicht sogar eigene/richtige Karten hat, ist ein Allrad angetriebenes Fahrzeug nicht unbedingt notwendig, auf jeden Fall aber lustig. Strassen gibt es nicht wirklich, plattgewalzte Fahrwege aber schon, wenn man sie findet.

Ein guter Tipp zum Thema Auto mieten in Kasachstan: Entweder ihr lernt ein bisschen Russisch oder ihr lasst euch von der Autovermietung sagen, was die Karre tanken muss (also guckt euch genau die Zeichen an und prägt sie euch ein), da es euch sonst wie uns geht, bangend tankend. Generell sollte die Regel in Kasachstan lauten: Wenn ihr eine Tankstelle seht, dann tankt.

Die singenden Dünen erreichten wir in der Spät-Nachmittagssonne. Der Aufstieg am Kamm der Düne entlang ist anstrengend und lohnenswert – man klettert immerhin einen knapp 250m hohen Sandhügel hinauf.

Man sollte der Versuchung widerstehen schräg an der Dünenwand hinaufzuklettern, denn was nach einer Abkürzung aussieht, ist eher das Gegenteil – wie ein Kompagnon von uns schmerzlich erfahren musste.

Woher die Bedeutung „singende Dünen“ kommt, müsst ihr am besten selbst herausfinden und von der Spitze der Düne schräg an der Dünenwand herunterrutschen. Ein lautes Dröhnen ertönt und am Körper verspürt man ein Vibrieren.

Was so unspektakulär klingt, war eine mich tief erfreuende Erfahrung – rutschend, kullernd-lachend einen Sand Hügel hinunter toben der Geräusche macht und vibriert, kommentierte meine 10jährige Tochter mit einem alles sagenden Blick und Grinsen eines kindlichen Verstehens – ja, genau so ein Gefühl ist das.

Die Nacht verbrachten wir bei einer Familie in der Nähe des Visitor Centers (Wurde uns vermittelt) und am nächsten Tag ging es zu den farbigen Bergen.

Foto: Martin Pfaff

Der Blog „Bunt um die Welt“ bietet eine hervorragende Beschreibung zum National Park und hat uns sehr bei unserer Tour geholfen – Prädikat lesenswert.

Weite, Scharyn-Nationalpark und zurück nach Almaty

Auf dem Weg zum Scharyn-Nationalpark und zum kleinen Bruder des Grand Canyon gab es Weite und Leere. Zu allen Seiten sahen wir eingefasst in schneebedeckte Gebirgsketten einfach ganz viel Gegend. Das Altai Gebirge und die chinesische Grenze vor uns, das Tien Schan Gebirge rechts von uns und die Gebirgsketten links und hinter uns konnten wir nicht benennen, schneebedeckt und schön waren sie dennoch.

Ich hatte das vorher so noch nicht erlebt – Kilometerweit blickend und auf Ziele zu fahrend, die sichtbar und doch weit weg sind – an Weite Blicke ist man in Europa nicht unbedingt gewöhnt. Dazu kommt die Leere – in Kasachstan leben im Schnitt ca. 7 Einwohner pro Quadratkilometer.

Sprich, zusammengefasst: Man kann ganz, ganz weit gucken und sieht „Nichts“ und das kommt  einem unglaublich viel vor.

Wir sind eigentlich planlos dem Ziel Scharyn-Nationalpark entgegen gefahren und verbrachten die Nacht in einem Ort namens Shonzhy – seine Nähe zum National Park hat der Ort wahrscheinlich seine 2 Hotels zu verdanken.

Der Canyon war schön, wenn auch nicht leer und wir verabschiedeten uns langsam von der Leere und Weite und fuhren am Nachmittag zurück nach Almaty. Vermutlich noch mit dem Gedanken an das nahegelegene China im Hinterkopf, gingen wir chinesisch essen und – zumindest ich – wurde das erste Mal so richtig satt, denn es gab eine Karte mit Bildern.

Die Tour

Wir haben nur einen sehr kleinen Teil von Kasachstan sehen können – wie ihr auf den Karten ganz gut sehen könnt und ich habe mir vorgenommen, wiederzukommen, wenn dann hoffentlich der Weltraum Bahnhof Baikonur offen ist für Individualreisende.

Fakten in Kürze:

  • Flüge von Deutschland aus nach Almaty – zwischen € 250,- und € 500.-.
  • Mietwagen, SUV, 4WD – ca. € 50,- pro Tag. Fahren in Kasachstan ist einfach, denn es gibt kaum Menschen und somit auch kaum Autos. Lasst Euch sagen, was Ihr tanken müsst.
  • Übernachtungen zwischen € 4,- und € 15,- die Nacht (€ 15,- war ein Doppelzimmer in einem 3 Sterne Hotel in Almaty)
  • Essen und Getränke  – für ca. € 5,- bis € 10,- kann man essen gehen – inklusive alkoholischer Getränke. „Teuer“ essen gehen in Almaty bedeutet ca. € 25,- pro Person (satt und betrunken).

… Auf den Spuren der Mongolen? Ausser, das wir viel darüber gesprochen haben, blieb eine Steinanhäufung im Altyn Emel National Park, wo Genghis Khan gespeist haben soll als die eine mongolische Spur…

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