Finnland, Helsinki, Städtereisen
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Frederiksgatan – 4 Tage Helsinki

Unterwegs in Helsinki

Wir stiegen gemütlich am Donnerstag Vormittag in den Flieger und waren innerhalb von 2 h auch schon wieder gelandet. Lustigerweise brachte uns der Rollbahnbus (in Tegel) auf den Hangar 2 (man fährt durch den Wald zum Einstieg), was mich sehr amüsierte, da ich schon so oft von Tegel geflogen bin, aber offenbar noch nie von Hangar 2. Vielleicht lag es daran, dass ich immer nur in den Süden flog?

Nach geschmeidiger Landung stiegen wir in den Cityzug und landeten am Helsinski-Bahnhof, gerade mal 15 min. zu Fuß von unserer Unterkunft entfernt.

Unterwegs in Helsinki

Die Straßennamen stehen auf finnisch und schwedisch dran, da muss man sich erst einmal orientieren, und die Sprache braucht man gar nicht erst versuchen, zu verstehen, denn es gibt keine Verwandtschaft mit einer anderen Sprachfamilie. So schlugen wir uns über die Fußgängerzone, am größten Kaufhaus Skandinaviens (Stockmann), entlang der Frederiksgatan bis Malminkatu (wo wir wohnten).

Mit einem Umschlag bewaffnet, wo ein Code draufstand, den wir an einer Eingangstür eingeben mussten, kamen wir in einen Hauseingang mit einem Schließfach, wo wir abermals einen Code eingaben und unseren Schlüssel im Umschlag fanden. Auf dem Zettel stand noch ein Code. Nur drei Eingänge weiter gaben wir diesen ein und standen vor unserer sog. Wohnungstür. Jetzt kam endlich der Schlüssel aus dem Umschlag zum Einsatz.

Wir legten uns ins Bett, schliefen ein Stündchen und begannen dann, das Städtchen zu erkunden. Nach der ein und anderen Stärkung (Bier, Cidre und gegrillten Knoblauchgarnelen) ging es in „Henry’s Pub“. Dort wurde live finnischer Rap geboten, was wirklich ein einzigartiges Erlebnis war. Wir versuchten irgend etwas zu verstehen, aber leider konnten wir nicht einmal erahnen, was die Performer dort auf der Bühne sangen/sagten.

Nach Gin Tonic für 7,50 € (der sehr edel und stark gemixt war) und Bier machten wir uns gegen Mitternacht in heller Nacht (in Helsinki wird es nämlich nie richtig dunkel) auf den Heimweg. Nach Ausschlafen und einem Instant Kaffee ging es zur Felsenkirche, mit einem kurzen Frühstücksstop in einem Minikaffee/Bäckerei. Bäckereien als solche erkennt man in Helsinki nicht wirklich, wir mussten das Internet zu Rate ziehen, um auf dem Weg eine zu finden. Sehr klein und spartanisch, mit wenig Auswahl, dafür aber sehr liebevoll geführt stärkten wir uns mit Cappuccino, Quiche und einem gefüllten Fladen.

Die Felsenkirche (ohne Turm und Kuppel) ist dann doch eine relativ unspäktakuläre Angelegenheit, ob der Einzigartigkeit dieser Bauweise jedoch eine hochgepriesene Sehenswürdigkeit Helsinkis.

Dann ging es Richtung Hafen, wo einige Boote am Pier lagen, auf denen man saunieren und gleichzeitig trinken und essen konnte. Leider war es noch etwas zu kalt und zu früh am Morgen für solche Aktivitäten und so landeten wir in einer hübschen Bar ein paar Meter weiter und genossen den Blick auf das Meer mit erfrischenden Drinks.
Unten am Hafen, direkt im touristischen Trubel bestaunten wir die große Pool Area. Hier gibt es direkt am Meer drei Außenschwimmbecken (eins kalt, zwei warm, mit Saunaanschluß im Inneren). Oben auf dem Dach des Haupthauses Sonnenliegen und eine phantastische Aussicht auf das Meer, den Hafen und die Insel, wo eine wunderschöne russisch/orthodoxe Kirche steht. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass an der Spitze der Insel (auf der anderen Seite) die Eisbrecher stehen, diese riesigen Schiffe, die im Winter dem Schiffsverkehr den Weg frei schieben. Diese liegen dort zwischen April und September am Pier und man kann aus nächster Nähe einen Blick darauf werfen. Sehr beeindruckend, wie wir fanden.

Auf der Rücktour gab’s noch eine Fischplatte auf dem Markt und dann ging es zum alten Straßenbahnbahnhof im Norden der Stadt, wo Livemusik unseren Abend bereichern sollte. Auf der Suche nach dem Veranstaltungsort fragten wir eine Einheimische nach dem Weg und es stellte sich heraus, dass sie deutsch sprach, was wir nach dem ganzen Snörebröd hier ganz erfrischend fanden.

Im Garten des großen Geländes nahmen wir zwei Getränke, aus der Naschvitrine im Eingangsbereich noch einen „Becher Zucker“ und erkunigten uns, was für Musik denn am Abend gespielt wird. Wir entschieden uns dann doch lieber für die Jazz-Bar, die wir auf dem Hinweg durch Zufall entdeckt hatten, da uns das angesagte klassische Blus und Jazz-Konzert auf finnisch wahrscheinlich überfordert hätte.

Die Jazz Bar entpuppte sich als ein echtes Highlight. Nach dem ersten Eindruck hatten wir eher das Gefühl, auf einem Gerontentreff zu sein, doch wie sich später herausstellte, waren die älteren Herrschaften alle sehr fit und legten eine flotte Sohle aufs Parkett. Die Band spielte Jazz/Blues und Country, mal englisch, mal finnisch und das Gin-Angebot hat mich auch hier wieder vollends überzeugt, und die starke Mischung scheint wohl Gang und Gebe zu sein.

Wir lernten noch eine Finnin kennen, die witziger Weise auch deutsch sprach und für ein Klassentreffen nach Helsinki gekommen war. Sie war jedoch offenbar auf Männersuche, denn beim nächsten Song verschwand sie schnell wieder auf der Tanzfläche und wir hatten keine weitere Gelegneheit, mit ihr weiter zu sprechen.

Etwas zurechtgemacht von den delikaten, schweren Gin-Tonics kamen wir heil in unserer Herberge an. Nach ausgiebigem, langen Schlaf erkundeten wir am nächsten Tag die Frederiksgatan, eine wirklich süße Straße, wo nette Cafés und coole second hand-Läden zu entdecken sind. Von dort liefen wir Richtung Meer zum Jugendstilviertel, wo sich wunderschöne, alte Stadtvillen befinden, die sich für Liebhaber dieses Baustils durchaus lohnen anzuschauen.

Am Meer wieder angekommen ging es über einen Aussichtshügel mit Blick auf die großen Passagierschiffe durch die Markthalle, wo man neben anderen Köstlichkeiten auch sehr schmackhafte Fischsuppen schlemmen kann.
Hier bekommt man einen ganz guten Überblick, wie und was die Finnen so essen, denn viele Einheimische holen sich hier ihren Mittagssnack. Die ganzen Touristen, die sich auch dort durchschlängeln muss man sich einfach kurz wegdenken, dann hat man die Chance, von der Atmosphäre eine Brise zu spüren.

Nun schlenderten wir zum Dom von Helsinki, der ebenso wie die Felsenkirche eine sehr schlichte Inneneinrichtung aufweist und daher eher unspäktakulär daherkommt, jedenfalls für uns.

Auf unserem Plan für den fühen Abend stand jetzt: Kino!
Wir schauten uns „Pirates of the Carrebean“ – Salasarz Revenge – im Original (3D) mit schwedischen und finnischen UT an. Auf der Leinwand lief keine Werbung, sondern ein Spiel. Auf der kleinen Bühne davor standen zwei Moderatoren, die auf finnisch das Spiel zu kommentieren schienen. Ohne ein Wort zu verstehen, bekamen wir heraus, dass im Publikum mehrere Leute mitspielten und das irgendwie von ihrem smartphone direkt auf die Leinwand übertragen wurde. Nachdem das Spiel zu Ende und ein Gewinner ermittelt war, gab es für diesen noch einen Preis. Ein Beutel mit dem Logo des Films wurde überreicht und dann ging es endlich los.

Ein toller Film, wie wir fanden und immer noch ist es taghell (gefühlt 16:00) um acht Uhr am Abend, als wir aus dem Kino rauskommen.
Kleine Stärkung im gegenüberliegenden Kaufhaus mit angrenzendem Food Court und einen letzten Absacker in „Henry’s Pub“, so endete unser letzter Tag in Helsinki.

Heute ist Sonntag, wir fliegen nach Hause und mein Fazit ist:
Helsinki ist eine süße Stadt, in der die Einheimischen schon bei 11 Grad mit kurzen Kleidchen und Flip Flops durch die Welt laufen (höchstwahrscheinlich auf Grund der Tatsache, dass der Sommer sehr kurz und jeder Sonnenstrahl Anlass zum Entkleiden ist) ein bisschen konservativ, verschlafen, aber immer gut gelaunt und vor allem geordnet. Ich meine damit, dass ich noch nie so einen gut ausgeschilderten und logischen Anschluss vom Flughafen in die Innenstadt (und umgekehrt) erlebt habe und auch sonst das Straßensystem leicht verständlich und sehr Touristen freundlich angelegt ist.

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