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China im 18. und 19. Jahrhundert – Das Reich der Mitte in seiner Blütezeit

China im 18. Jahrhundert

Zu China im 18. Jahrhundert, auf chinesisch Tschung-hua Jen-min Kung-ho Kuo und soviel bedeutend wie das Land der Mitte[1], soll an dieser Stelle nur soviel gesagt werden, als dass es zu jener Zeit eine und bis jetzt auch seine letzte Blütezeit erlebte. Die chinesische Kultur, beflügelt durch den Neu-Konfuzianismus, verzeichnete viele seiner größten Errungenschaften in jener Zeit.[2] Das 18. Jahrhundert gilt weiterhin als die Blütezeit der chinesischen Philologie und die Zeit der wohl größten Annährung Chinas an Europa unter Kaiser Kang-tsi, welcher die Jesuiten ihrer wissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten wegen im Land duldete.[3]

Unter der Kaiserdynastie der Qing wurde das Land wie nie zuvor in seiner Geschichte geeint und befriedet. Dennoch schwand Chinas Einfluss schon seit dem Jahre 1680 stetig und erholte sich erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert.[4]

Vergleich zwischen Europa und Asien im 18. Jahrhundert

Für die meisten Europäer war das China des 18. Jahrhunderts eine Weltmacht und die Einzige Hochkultur, die sich mit Europa vergleichen durfte. Bei vielen Autoren des 17. Jahrhunderts las man, Asien sei wohl der klimatisch ausgewogendste und fruchtbarste Ort. Er ist der Entstehungsort der Religionen, der Künste, der Gesetze, des städtischen Lebens und der monarchischen Staatsform.[5] Er galt als der Vornehmste aller Kontinente und als die Wiege der Menschheit und Entstehungsort der Kulturen.

Gottfried Willhelm Leibnitz war wohl der erste bedeutende europäische Denker, der die Größe und den kulturellen Hochstand dieser fernen Welt erkannte und einen kulturellen Austausch zwischen Europa und China in Gang setzen wollte.[6] Die Bewunderung war groß gegenüber Asien und speziell auch gegenüber China. Sehr interessiert an der chinesischen Kultur strebten die Europäer einen beidseitigen Austausch dieser an. Das Interesse war allerdings mehr einseitiger Natur, da die Chinesen und überhaupt die Asiaten zu dieser Zeit eine rigorose Fremdenpolitik vertraten, welche mit wenig Interesse am Kontakt zu Europa in Verbindung zu bringen war. Kräftemäßig standen sie sich bis Ende des 18. Jahrhunderts in allen Positionen im Gleichgewicht gegenüber. Europäer traten zu dieser Zeit eher als Forschungsreisende, Diplomaten und Missionare, denn als Kolonialherren in Erscheinung.[7] Trotz auch kriegerischer Bemühungen konnten sie keine nennenswerten Erfolge verzeichnen und die Asiaten stellten eher eine Gefahr für die Europäer dar, als anders herum.

Im 19. Jahrhundert sollte sich das zu Gunsten der Europäer wenden, denn das macht-politische Gleichgewicht verlagerte sich zu ihrem Vorteil. Speziell für China waren die Opiumkriege[8] gegen England entscheidende Niederlagen, die ihnen nicht nur die wirtschaftliche Unabhängigkeit, sondern auch den machtpolitischen Einfluss nahmen. Wirtschaftlich mussten sie nun noch mehr Konzessionen an ausländischen Mächten zulassen und machtpolitisch zeigte Europa erstmalig wirksam seine militärische Überlegenheit gegenüber China und ganz Asien.[9] Der politische Niedergang Chinas sorgte nun in Europa dafür, dass China zum Diskursthema in intellektuellen Kreisen wurde. Die einstige Bewunderung und Verzauberung wich zu Gunsten der wissenschaftlichen Betrachtung und der sich entwickelnden Diskursanalyse. Man begann, sich mit China kritischer auseinander zu setzen.

Das Jahr 1680 wird kulturwissenschaftlich als ein Ereignisjahr betitelt. Für China bedeutete das, genau wie für Europa, eine Wende. Während einige Kulturwissenschaftler heutzutage für Europa hier schon den Beginn der Moderne sehen, ist dieses Jahr für China eher eine Umkehr zum Schlechteren, und aus heutiger Sicht, der Anfang vom Ende des chinesischen Kaisertums.

Mitte des 19. Jahrhunderts ist diese Entwicklung weitestgehend abgeschlossen, und China hat durch zahllose Niederlagen und dem damit verbundenen Prestigeverlust seine politische Macht und seine wirtschaftliche Unabhängigkeit verloren.

Das verzauberte China

Das Wort „verzaubert“ leitet sich von dem Wort Zauber ab und hat seine Bedeutungsgrundlage in der Schaffung von Illusionen und dem Aufbau von Trugbildern. Nun ist es nicht der Fall, dass die Chinesen vorsätzlich Illusionen erschaffen haben. Vielmehr haben die Europäer sich China selbst verzaubert und sich ihre eigenen Illusionen aufgebaut. Der vermutlich maßgebliche Punkt ist hierbei einerseits die physische Abwesenheit Chinas und der Chinesen in Europa und anderseits die große, geistige Präsenz in Form ihres Kulturgutes, dass seit dem 17. Jahrhundert in Form von Berichten der dort stationierten Jesuiten[10] regelmäßig nach Europa gelangte.

Dieser Informationsfluss war sehr stetig und alsbald glaubte man gar, China sei eines der am besten erforschten Länder der Welt.[11] Ende des 18. Jahrhunderts zweifelte man sogar die universelle Autorität des griechisch-römischen Altertums zu Gunsten der asiatischen Entstehungsgeschichte an.[12]

Viele europäische Philosophen waren regelrecht begeistert von der chinesischen Kultur. Diderot beispielsweise schrieb: „Diese Völker sind allen anderen Völkern überlegen an Alter, Geist, Kunst, Weisheit, Politik,…“.[13]

Dieser Informationsfluss schwand dann allerdings auch bald wieder, als nämlich der Kaiser Kang-tsi, der als sehr pro Europa eingestellt galt, 1722 verstarb. Es begann nun die Zeit der Abkapselung Chinas und auch ganz Asiens von Europa. Die Jesuiten und auch das Christentum selbst kamen ab 1710 in Bedrängnis und ihr Einfluss ließ enorm nach. Sie verloren ihre Bewegungsfreiheit im chinesischen Reich und wurden bald nicht mehr als technisches Personal in der Verbotenen Stadt geduldet.[14]

Die Chinesen konnten sich ihre „Exotik“ bis ins 19. Jahrhundert hinein bewahren. So galten chinesische Gesandtschaften zum Beispiel als eine große Seltenheit in Europa und traten, wenn überhaupt nur vereinzelt auf. Der Anblick von Chinesen in Europa hatte eine so große Exotik, dass sich damit im England des 18. Jahrhunderts sogar für die bloße Zurschaustellung Geld verdienen ließ. Vor allem aber beeindruckte China bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein, durch den scheinbar relativ hohen Wohlstand der einfachen Bevölkerung.[15] Andererseits verstanden es die Asiaten und auch die Chinesen wie keine andere Kultur, den Eintritt und die Bewegungen von Fremden (Europäern) in ihren Ländereien zu kontrollieren.

Somit lagen empirisch gehaltvolle Reiseberichte aus allen Regionen Chinas auch erst um 1900 vor. Die Chinesen haben es anfangs noch verstanden, bewusst oder unbewusst sei dahingestellt, den Schleier der Unwissenheit über die Europäer zu legen und eine Verzauberung damit hervorzubringen.[16]

 

Reisen nach China

Der Weg nach China im 18. Jahrhundert gestaltete sich im Grunde genommen auf folgenden drei Wegen.

Zunächst einmal kam man als Händler oder Kaufmann nach China. Den Kaisern des Qing Imperiums war es relativ egal, welche Ausländer, in das von den Portugiesen verwaltete Macau und dessen Faktoreien kamen.[23] Allerdings ging die Berichterstattung meistens über die Beschreibung der Stadt Kanton nicht hinaus, denn weiter durften sie nicht.

Die zweite Möglichkeit bestand auf der Berichterstattung der Jesuiten die seit dem 17. Jahrhundert regelmäßig Schreiben nach Europa entsandten. Aber auch dies verschlechterte sich stetig, wie schon erwähnt im 18. Jahrhundert, nach dem Tode des aufgeschlossenen Kaisers Kang-tsi (1722). Die dritte Form des Reisens stellte die diplomatische Gesandtschaft dar und für Nicht-Missionare war dies die einzige Möglichkeit, das Landesinnere zu bereisen. Aber auch hier wurden die Bewegungen sehr stark kontrolliert. Es wurde nur Ausgesuchtes gezeigt und auch immer nur in Begleitung einer Eskorte.[24] Ferner waren die Chinesen nicht wirklich freundlich gegenüber dem Westen gestimmt und ließen es den Ausländer auch spüren.

Die Fremdenpolitik der Chinesen machte es den Europäern also nicht gerade leicht, China zu bereisen und zu erforschen. Schon die Reise selbst stellte eine große Herausforderung für jeden Reisenden dar. Es war eine mehrmonatige Reise, zu meist über Land, durch einige der unwirklichsten Regionen der Erde und in einem Zeitalter, in dem für Europäer noch nicht die Sonderrechte des imperialen Zeitalters herrschten, so konnte es zuweilen auch sehr gefährlich werden.[25]

Erst mit der Verbreitung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert wurde das Reisen nach und durch China erheblich vereinfacht und augenblicklich konnten auch alle Regionen bereist werden. Im 19. Jahrhundert sollte sich das Reisen in und durch China mit dessen politischen Niedergang ändern. Die Chinesen konnten nun nicht mehr länger die Bewegungen der Europäer in ihren Gebieten kontrollieren.

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[2] Dtv-Atlas  Weltgeschichte, Band 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, Hrsg. von H. Kinder u. W. Hilgemann, München 1998, S.275.

[3] Ebd., S.275.

[4] Osterhammel, Jürgen: Die Entzauberung Asiens. Europa und die Asiatischen Reiche im 18. Jahrhundert,   München 1998, S.16f.

[5] Zit. nach Osterhammel, Die Entzauberung Asiens, S.52.

[6] Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Frankfurt am Main 2004, S.129.

[7] Zit. nach Osterhammel, Die Entzauberung Asiens,  S.22.

[8] Der erste Opiumkrieg ging von 1839 – 1842 und der zweite von 1856 – 1860

[10] Stellt ein Orden innerhalb der katholischen Kirche dar und sollten in China als Missionare auftreten.

[11] Osterhammel J., Die Entzauberung Asiens, München 1998, S.100.

[12] Osterhammel, Entzauberung Asiens, S.26.

[13] Störig, H. J.: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, S.129.

[14] Osterhammel, Entzauberung Asiens, S. 100.

[15] Barrow, Cochin China (1806), S.311ff. in: Osterhammel, Entzauberung Asiens,  S.383.

[16] Hier wird dabei nicht unterstellt, dass China die Absicht hatte, dies bewusst zu tun.

[23] Osterhammel, Entzauberung Asiens, S 99.

[24] Ebd., S.100f.

[25] Osterhammel, Entzauberung Asiens, S.120.

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Kategorie: Asien

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Die Welt ist mein zu Hause - hätte ich jedenfalls gern. Mein Lebensmittelpunkt ist in Berlin und das schon mein ganz Leben lang. Auf Reisen fühle mich am Ehesten zu Hause.

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